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Mißbrauchsfälle in der Kirche

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Im Aprilkompass habe ich Auszüge eines Briefes von Bischof Hanke zu den Missbrauchfällen, die auch in der katholischen Kirche vorgekommen sind, abgedruckt. Auf dieses Grußwort bekam ich eine kritische Rückmeldung, dass der Bischof in diesem Textauszug gar nicht zum Gebet für die Opfer aufrufe und sich auch nicht für die Entschädigung der Opfer ausspreche. Diese Rückmeldung war für mich der Anlass, meine eigene momentane Sicht der Dinge einmal darzulegen und zu formulieren. Im Folgenden meine Zeilen, die ich als Antwort zurückgesendet habe.

Pfarrer Dr. Andreas Rudiger.


...herzlichen Dank für Ihre kritischen Worte zum Grusswort im Aprilkompass.

Es ist für mich nicht einfach, mit diesen vielen Fällen von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen umzugehen, die auch innerhalb der Kirche geschehen sind. Die Vorstellung, dass Kinder und Jugendliche auch von Priestern der katholischen Kirche sexuell missbraucht wurden, ist für mich völlig unfassbar und offenbart für mich die Abgründe im menschlichen Herzen auch zum Bösen. Ich schäme mich daher sehr für diese Verbrechen einzelner "Mitbrüder", die sich an Leib und Seele von Kindern und Jugendlichen in schwerster Weise vergangen haben. Ich bete seit Bekanntwerden für die durch den sexuellen Missbrauch schwer verletzten wehrlosen Kinder und Jugendlichen, vergesse aber auch die Täter nicht, die das Gebet sicher genauso brauchen- am Passionssonntag haben wir in allen Gottesdiensten für die Opfer von Missbräuchen gebetet, und sie ins Messopfer eingeschlossen. Auch die anderen Formen von Missbrauch durch teilweise unmenschliche Gewaltanwendung bedrücken mich sehr. Auch wenn die Erziehungsmethoden in der damaligen Zeit auch in den Familien ganz andere waren, habe ich durch persönliches Outing erfahren müssen, welche Abgründe sich auch hier auftaten, und das Vertrauen in die Kirche zutiefst erschütterten. Wie froh und dankbar bin ich, dass ich immer gute und vorbildliche Priester erfahren durfte. An die Ohrfeige meines Geschichtslehrers (war kein Priester) erinnere ich mich zwar noch bis heute, fand dies aber ganz berechtigt, da ich kein "braver" Schüler war.

Da ich selbst für mich einen Weg suche, einerseits den unschuldigen Opfern irgendwie gerecht zu werden und mich dem unsäglichen Leid und dem damit verbundenen Vertrauensverlust zu stellen (wofür ich persönlich ja gar nichts dafür kann), gleichzeitig aber das Kind nicht mit dem Bade ausschütten will, d.h. die vielen guten Dinge, die in der Erziehungsarbeit gerade auch von Priestern und Schwestern im Namen Jesu geleistet wurden, nicht ganz aus dem Blick verlieren will, bin ich Ihnen sehr für Ihre kritischen Worte dankbar! Die Haltung des Wegschauens und Vertuschens war ein falscher Weg, zumal man heute weiß, dass Pädophilie nicht geheilt werden kann. Wenn dieser Weg auch in der guten Meinung vielfach begangen wurde, war er nicht gut, im Gegenteil. Gott sei Dank fährt die Kirche seit einigen Jahren bereits - spätestens seit den Missbrauchsfällen in Amerika, einen anderen Kurs. Jede einzelne Sünde des Missbrauchs eines Kindes oder Jugendlichen hat auch schon vor dem Bekanntwerden den Leib Christi belastet, weil keine Sünde privat bleibt, sondern immer die Gemeinschaft betrifft. So bin ich jetzt - bei allem Entsetzen und aller Ohnmacht - froh, dass die "Leichen aus dem Keller" geholt werden und die Notwendigkeit der Umkehr jedes einzelnen Gliedes des Kirche überdeutlich vor Augen gestellt wird, im Sinn einer "ecclesia semper reformanda".

Vielleicht hätte ich selbst, wie jetzt in dieser Antwort an Sie, mir die Zeit nehmen sollen, selbst etwas im Aprilgrußwort zu schreiben. Ich kam einfach nicht dazu, weil ich momentan doch ziemlich ausgelastet bin. So kam mir der Brief von Bischof Hanke sehr gelegen. Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, selbst mit eigenen Worten auf diese Situation einzugehen, unter der alle leiden, nicht nur die Opfer, sondern auch alle, die die Kirche lieben.

In diesem Sinne möchte ich mich noch einmal für ihre Rückmeldung bedanken und grüße Sie von Herzen!

Gerne können Sie mich auch in diesen Tagen einmal persönlich ansprechen, damit wir uns kennenlernen...

In diesem Sinne eine gute Karwoche und ein gesegnetes Osterfest,

Pfr. Andreas Rudiger.