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Predigt 3. Fastensonntag

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Lk 13, 1-9

Liebe Schwestern und Brüder, in den liturgischen Texten heißt es immer wieder, die österliche Busszeit sei eine Zeit der Gnade, eine Zeit der Geduld Gottes, damit wir umkehren und das Leben in Fülle haben. Doch heute führt uns das Evangelium drastische Bil­der vor Augen: Den Feigen­baum, der keine Frucht bringt, soll der Gärtner umhauen. Menschen, die der Evangelist dann als Sünder bezeichnet, werden beim Opfer nieder­gemetzelt oder von einstürzen­den Türmen erschlagen… Zeit der Gnade?


Vielleicht standen die Menschen zur Zeit Jesu mehr als heute in der Versuchung, Krankheiten, Unfälle und Katastrophen als unmittelbare Strafe Gottes für die Sünden der Menschen zu erklären. Dass unser Vater im Himmel kein Gott der Vergeltung und der Strafe, sondern ein Gott der Liebe und Barmherzigkeit, der doch das Leben eines jeden Menschen will, und nicht seinen Tod – das hat Jesus gezeigt. Und doch kommen wir an den Worten Jesu nicht vorbei: Ihr alle werdet genau so umkommen, wenn ihr Euch nicht bekehrt!! Wie geht das zusammen? Sicher ist, dass Jesus den Zusammenhang von Sünde und Krankheit an anderen Stellen im Evangelium eindeutig durchbrochen hat. Und auch im heutigen Evangelium wird die Zielrichtung klar: Gott will nicht den Tod des Menschen, sondern dass er umkehrt und lebe. Die Frage bleibt, was hier mit dem „Tod“ gemeint ist, wenn Gott doch das Leben will?

 

Die Menschen zur Zeit Jesu hatten ein sensibles Gespür dafür, dass die Sünden nicht zum Leben, son­dern in den Tod führen. Sie waren überzeugt: Wer mit Schuld beladen lebt, ist ein lebend-Toter, ist einer, der das Leben, das Gott ihm schen­ken will, zurückweist und im Schatten bleibt. Und genau deshalb betont das Evangelium, dass Gott nicht den Tod des Sünders will, sondern er will, dass wir umkeh­ren und leben! Weil er uns Leben in Fülle schenken will, lädt er uns zur Umkehr ein. Mehr noch, er ringt und kämpft um unsere Umkehr!

Und das heutige Evangelium zeigt besonders deutlich, wie ernst es Jesus ist mit uns, dass ihm etwas daran liegt, dass wir umkehren. Denn er weiss: die Sünde ist der wahre Tod. Der Sohn Gottes sehnt sich unendlich danach, uns zum Leben zu befreien. Und wie stellt er dass an? Indem er selber für uns den Tod auf sich nimmt, damit wir das Leben haben.

 

Deshalb spricht der zweite Teil des Evangeliums vom Leben. Wer wahr­haft lebt, der bringt Frucht. Der Feigenbaum im Gleichnis Jesu trägt keine Früchte, auch nach drei Jahren nicht, in denen der Besitzer sich geduldig zeigt. Der Baum scheint kein Leben mehr in sich zu tragen, ist also nutzlos, tot. Darum befiehlt der Besitzer, ihn erbarmungslos umzu­hauen. Doch der Weingärt­ner bittet: Hab noch ein wenig Geduld, ich will alles tun, damit er doch noch Frucht trägt, die Erde umgraben und ihn düngen… trägt er immer noch keine Frucht, dann kannst Du ihn immer noch umhauen. Der Gärtner erbittet für den Feigenbaum eine Zeit der Gnade. Gott selbst wirbt um jeden Einzelnen von uns. Gott will, dass wir leben, dass wir Frucht bringen. Und es ist nun einmal so, dass es ohne Umkehr kein kein wirkliches Leben gibt. Und wirkli­ches, wahres Leben macht lebendig und bringt Frucht.

 

Das, liebe Schwestern und Brüder, kann man mit einem ganz normalen Wasserhahn vergleichen. Ist er gereinigt, kann das Wasser ungehindert fliessen. Wenn einmal ein Steinchen in die Leitung gerät, muss man den Hahn aufschrauben, das Steinchen herausnehmen, den Filter wieder einsetzen. Dann fließt das Wasser wieder ungehindert. Neben den gröberen Steinchen gibt es daneben feinere Kalkablagerungen. Wenn nun der Hahn nicht regelmäßig entkalkt wird, setzt sich unmerklich immer mehr Kalk und Schmutz im Gitternetz des Filters fest. Schließlich kann der Hahn verstopfen. Scharfe Reinigungsmitteln vermögen zwar, die Kalkschicht anfangs wieder zu entfernen. Irgendeinmal helfen sie aber auch nicht mehr. Schließlich hört der Wasserhahn auf zu funktionieren. Mit den Sünden ist es ganz ähnlich: Die „grossen Fische“ bemerkt man schon, wenn man einigermaßen sensibel ist und ein funktionierendes Gewissen hat. Und wir können etwas dagegen tun. Wer das Geschenk und die Gnade des Sakramentes der Versöhnung kennen lernen durfte, der weiss aus eigener guter Erfahrung, wie man die „Leitung“ für die Wasser des Lebens schnell wieder rein bekommt.

Unser Innerstes, unsere Seele verdient jedoch, viel mehr noch als ein gewöhnlicher Wasser­hahn, regelmässige Pflege und Reinigung. Man könnte dies auch etwas gewagt „Seelenhygiene“ nennen. Und nicht erst dann, wenn wir ein wirkliches großes Problem haben. Denn auch unsere Seele kann im Laufe der Monate und Jahre gleichsam „verkalken“, verstopfen und undurchlässig werden für die Gnade Gottes, wenn wir nicht für unsere Seelenhygiene tun. Wird die Leitung jedoch in regelmäßigen Abständen gewartet und gepflegt, können im Bild gesprochen die lebensspendenden Wasser, können die Gnaden­ströme Gottes in uns fliessen und unser Leben bewusster, freudiger und fruchtbarer machen.

 

Die Früchte die auch der Gnade Gottes resultieren nennt Paulus in einem seiner Briefe: Es sind Liebe, Freude, Friede, Geduld, Treue, Bescheiden­heit und noch mehr, was unserer Leben fruchtbar macht. Wir sind daher alle eingeladen, uns in dieser Gnadenzeit, neu und bewusst mit Gott zu versöhnen. Nehmen wir seine Gnade und sein Geschenk des Lebens in Fülle neu an. Er wartet schon auf uns!