Fastenpredigt „Grignon von Montfort – Apostel Mariens"
Fastenpredigt, Konstanz 6.3.2010
Welche Jahreszeit ist die schönste? – Eine einfache Frage, die doch schwer zu beantworten ist. Bestimmt hat dieser und jener eine Vorliebe für das Wetter, das zu gewissen Zeiten des Jahres gehört. Niemand wird jedoch verneinen, dass jede Jahreszeit seine eigene Schönheit hat.
Gewiss mag nicht jeder das raue wechselhafte Herbstwetter. Außerdem ist es sehr verschieden wie man das Fallen der Blätter empfindet. Doch ist das täglich neue Farbenspiel der Natur im Herbst geradezu bezaubernd.
Der Winter bringt dann wieder Kälte und Glätte mit ihren Tücken, aber wer staunt nicht wenn alles mit reinem Schnee bedeckt ist. Wenig Menschen nur gibt es, die nicht doch irgendwann wo kurz innehalten. Etwa wenn sie sehen, dass diese Kristalldecke bis in den vergessensten Winkel hinein von absoluter Harmonie zeugt.
Was soll man da noch sagen zum frisch-fröhlichen Frühling – oder zum Sommer?
Die Welt und ihre Natur hat so viel Schönheit und Zauber.
Haben Sie schon mal einen Schmetterling aus der Nähe betrachtet? Nicht umsonst hat er diese lange Pfoten. Die braucht er, um leicht über die verschiedenste Blumen hin und herzugehen.
Und vielleicht wissen Sie auch wie es um den Rüssel, bzw. die Zunge des Schmetterlings steht. Dieser Rüssel ist so lange, dass er ihn einrollen muss.
Allerdings hat man da im Architektenbüro keinen Fehler gemacht.
Der Schmetterling braucht diese lange Zunge um bis an die Säfte der Blumen zu gelangen. Und so trägt anschließend der Schmetterling, ähnlich wie die emsigen Bienen die Samen von der einen Blume zur anderen.
Soviel Schönheit, Zauber und Harmonie in einem findet man nicht in einem gewöhnlichen Architektenbüro.
Und um anzunehmen, dass all diese Pracht die Frucht willkürlichsten Zufalls wäre, dafür ist unser Glaube zu klein. Jawohl, Sie haben mich richtig verstanden: dafür ist unser Glaube zu klein – denn dann muss man schon sehr viel glauben.
Aber es ist nicht nur unser Glaube dafür zu klein; es ist auch unsere Bewunderung für diese harmoniöse Vielfalt bei weitem zu groß.
Nicht Zufall sehen wir am Anfang dieser Schönheit und nicht Willkür sehen wir im weiteren Verlauf dieser bezaubernden Welt.
Wir glauben an Gott, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt und der diese Schöpfung gewollt und hervorgebracht hat.
Wir glauben an Gott, der Liebe ist – und deswegen sehen wir in dieser Schöpfung und in der Geschichte einen Plan der Liebe.
Ja, auch in unserem eigenen Leben erkennen wir einen Plan der Liebe, den Gott verwirklichen möchte.
Also, wo viele sagen: Zufall und Willkür regieren die Welt, da sagen wir: nein, Gott und Liebe walten in der Schöpfung.
Wo Zufall und Willkür herrschen,
- da herrscht auch Ziellosigkeit,
- Wo Zufall und Willkür herrschen, da gibt es nur Hoffnung auf einen guten Job, tolle Freunde und eine gute Gesundheit – und wenn diese wegfallen, bleibt nur noch Hoffnungslosigkeit.
- Wo Zufall und Willkür oben stehen, da steht auch Selbstsucht groß angeschrieben und da gilt das Gesetz des Stärksten.
- Wo Zufall und Willkür maßgebend sind, da wird der Mensch letztlich zum Tier – leider eben weit schlimmer noch als ein Tier.
Aber nicht Zufall und Willkür sind Fundament der Welt, sondern in allem waltet „die ewige Weisheit Gottes."
Und damit, liebe Gläubige, sind wir bei dem, was Ludwig Maria von Montfort tief im Herzen trug.
Als junger Priester – er wurde übrigens im Jahre 1700 zu Priester geweiht.
Als junger Priester nun schrieb er ein Buch mit dem Titel: „Die Liebe zur ewigen Weisheit."
Und in diesem Buch: „Die Liebe zur ewigen Weisheit" legt er in etwa folgendes dar:
1. Die ewige Weisheit ist Gott.
2. Er ist der Schöpfer der Welt. Die Welt kommt aus seiner Hand.
3. Und die Welt ruht immer noch in der Hand dessen, der die ewige Weisheit ist.
Weil also nicht Zufall und Willkür am Anfang stehen, sondern die ewige Weisheit Gottes, deswegen schaut alles ganz anders aus.
- Ziellosigkeit wird ersetzt durch einen Liebesplan Gottes, wo Gott selbst unser endgültiges Ziel ist.
- Auch wir dürfen natürlich hoffen auf einen guten Job, auf Freunde und gute Gesundheit; ja, wir sollen uns sogar dafür einsetzen. Allerdings ist unsere letzte Hoffnung Gott selbst. Und wenn auch alles wegfällt – er ist der ewige, unabänderlich.
- Nicht mehr Selbstsucht und das Gesetz des Stärksten, sondern Hingabe und Liebe heißt es jetzt und die unbegreifliche Vorliebe Gottes für das Kleine und Schwache. Und wo sehen wir das besser als im Kreuz und in Maria? Zum Kreuz und zur Gottesmutter hegte Ludwig Maria Grignion von Montfort deswegen auch die größte Liebe.
- Außerdem wird der Mensch hier nun nicht zum Tier, sondern er wird zum höchsten emporgehoben – er wird von Gott eingeladen in einer direkten Beziehung zu Ihm selbst zu stehen und an seinem Plan der Liebe in dieser Welt mitzuarbeiten.
Die Schönheit, der Zauber und die Harmonie, die wir in der Natur beobachten, zeigen auf einen Schöpfer der Liebe ist und ewige Weisheit, der Schönheit ist und Harmonie.
Allerdings wissen wir alle, dass es in der Welt nicht nur das Schöne gibt.
Es gibt auch Sünde.
Wir sehen es um uns herum, und wir kennen die Neigungen unseres eigenen Herzens. Unser Herz ist nicht immer auf Gott und auf seinen Plan der Liebe ausgerichtet.
Und wir kennen nicht nur die Sünde im Leben der Menschen, sondern wir sehen auch dass die Schöpfung gebeugt geht unter eine Last, die ihr nicht von Gott auferlegt wurde. Wir sehen in der Schöpfung auch ein Durcheinander und etwa Katastrophen.
Es sind die Folgen der Sünde.
Der erste Mensch hat sich von Gott abgewandt. Und so kam die Sünde in die Welt und mit ihr die Verunstaltung der Schöpfung Gottes.
Also doch jeden Grund zur Verzweiflung?
NEIN !!!
Nein, denn die Antwort Gottes auf die Sünde ist die Erlösung.
Die Antwort Gottes auf die Abwendung des Menschen ist das Angebot einer neuen Zuwendung.
Die Antwort Gottes auf die Sünde ist das Angebot einer neuen Beziehung – oder mit einem anderen Wort: einen neuen Bund.
Und einen Bund oder ein Bündnis gibt es eben, wo 2 Parteien in einer bestimmten Beziehung miteinander treten.
Ich hoffe, dass ich bis dahin nicht zu viele unverständliche Gedankensprünge gemacht habe.
Denn alles bis jetzt Gesagte – irgendwie in einer Zusammenschau erfasst – hat den Hl. Ludwig Maria seinen priesterlichen Eifer gegeben. Das hat ihn immer wieder angespornt.
Das ist letztlich der Ansporn für jeden Priester und jede Berufung zum Priestertum – wenn auch bei einem jeden anders ausgeprägt.
Es geht letztlich um die Liebe Gottes, die sich in der Heilsgeschichte zeigt.
Der Hl. Ludwig Maria von Montfort war ganz tief erfasst von der ewigen Weisheit Gottes, der Liebe ist.
- Und aus der Hand Gottes kommt die Schöpfung.
- Und in dieser Schöpfung liegt einen ewig weisen Plan der Liebe.
- Aber der Mensch, die Krone der Schöpfung, hat sich von Gott abgewandt.
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- Und die Antwort Gottes ist ein noch höheres Angebot.
- Er lädt den Menschen ein zu einer noch tieferen Beziehung mit Ihm. Er bietet der Menschheit einen Neuen Bund an. Mehr noch, er bietet einer jeden Einzelne und einem jeden Einzelnen eine neue Beziehung der Liebe an.
- Und wie geschieht das? Das geschieht am Kreuz. Gott schließt diesen Neuen Bund mit uns am Kreuz.
- Wie kam aber Gott dorthin? Dazu musste Gott Mensch werden.
- Und das tat er durch Maria.
Das ist das Angebot Gottes.
- Jetzt müssen aber wir unsererseits in diesen Bund eintreten. Wir müssen das Angebot Gottes annehmen. Wir müssen die Gabe der Liebe Gottes beantworten.
- Und das tun wir durch die Taufe. Durch die Taufe treten wir in diese neue Beziehung zu Gott ein, die uns hinführen will zur endgültigen Vereinigung mit Gott im Himmel.
Dabei stellt unser Heiliger fest: Durch Maria kam Jesus zu uns, also gehen auch wir durch Maria zu Jesus.
Um all das den Menschen ans Herz zu legen ist der Hl. Ludwig Maria von Pfarrei zu Pfarrei gewandert.
Die eine Pfarrmission nach der anderen hat er gehalten in diesem Anliegen.
Dieses Anliegen hat er den Papst so vorgetragen: „Wiederbelebung des christlichen Geistes durch Erneuerung der Taufgelübde."
Und wie ging er da vor?
Er versuchte die Sache so anzugehen, wie die ewige Weisheit es macht.
Nun, das Handeln der ewigen Weisheit begegnet uns in der Bibel.
Dort sehen wir wie Gott mit Geduld um die Zuwendung des Volkes Israel wirbt.
Dort hören wir wie Jesus sprach und handelte.
Der Hl. Ludwig Maria sagt davon:
„die menschgewordene Liebe Gottes sucht die Menschen auf. Die menschgewordene Liebe Gottes überhäuft die Menschen mit Wohltaten. Gott wartet die Menschen auf an ihrer Tür, um ihnen Zeichen der Freundschaft zu geben."
Und sonst wo schreibt er:
„Jesus ist ein milder Eroberer."
Der Hl. Grignion von Montfort war zwar radikal, aber er ging mit größter Milde auf die Menschen zu. Er besuchte sie daheim, er sprach mit ihnen auf der Straße, er grüßte sie, er ging sie überall nach, denn er wollte Ihnen die Liebe Gottes kundtun. Er wollte sie vor allem einladen diese Liebe Gottes zu beantworten.
1) Er wollte sie einladen die Liebe Gottes zu beantworten, die zu uns kam durch Maria.
2) Er zeigte immer wieder auf, dass die Liebe Gottes Am Kreuz Ihren Höhepunkt findet, aber dorthin wollte Gott nicht gehen, es sei denn durch Maria.
3) Er legte die Menschen ans Herz, dass wir in der Taufe in diese Neue Bundesbeziehung mit Gott treten. Und Maria ist die erste, die in diese neue Beziehung zu Gott stand.
Deswegen lädt der Hl. Ludwig Maria von Montfort ein „alles durch Maria, mit Maria, in Maria und für Maria zu tun, um es auch vollkommener durch Jesus, mit Jesus, in Jesus und für Jesus zu vollziehen." (2 X)
Was heißt das aber?
Der Hl. Ludwig Maria spornt uns alle an alles durch Maria zu tun. Darunter versteht er, dass wir uns immer mehr Maria überlassen bevor wir etwas unternehmen. Also alles in die Hände Mariens legen.
Wir mögen zudem alles mit Maria tun, d.h. bedenken wie Maria es tun würde und es dann mit ihr und wie sie angehen.
Tut auch alles in Maria, sagt der Hl. Von Monfort. In Maria begegnen wir nämlich Gott. Sie hilft uns Gott zu begegnen und in Beziehung mit Gott zu leben und zu bleiben.
Lasst und schließlich alles für Maria tun. Es wird uns helfen der Eigenliebe zu entsagen, wenn wir oft wiederholen: ‚Für dich Maria tue ich dies oder jenes' und Maria hilft uns es so besser noch für Jesus zu tun.
Das Programm der Pfarrmissionen vom Hl. Grignion de Montfort schaut aus wie die Liturgie der Osternacht.
Diese beginnt mit mehreren Lesungen aus der Heiligen Schrift.
Sie zeigen uns das Handeln Gottes in der Geschichte. Es ist ein Handeln zum Heil, denn Gott ist Liebe.
Diese Lesungen zeigen uns, dass Gott mit den Menschen in Beziehung stehen möchte.
Es findet seinen Höhepunkt im Neuen Bund. Und der wird am Kreuz geschlossen.
In der Liturgie der Osternacht werden nachher die Taufgelübde erneuert.
Durch die Taufe treten wir ein in den Neuen Bund.
Wir werden in Jesus Christus zu Kindern Gottes.
Wir Dürfen zur Familie Gottes gehören.
Die Verehrung Mariens hilft uns diese Beziehung zu Jesus zu pflegen.
Die Verehrung Mariens hilft uns gemäß unserer Taufe zu leben.
Lasst uns regelmäßig den Rosenkranz beten zu ehren der Gottesmutter. Amen







