Predigt 17. Sonntag
Kol 2, 12-14
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche, wir werden heute von unserer Gemeindereferentin Marlies Kießling Abschied nehmen müssen. Auch in der heutigen zweiten Lesung aus dem Kolosserbrief ist von Abschied nehmen die Rede. Hier geht es aber um den endgültigen Abschied von einem Menschen, der gestorben ist. Wer die traurige Pflicht hat, von Angehörigen oder engen Freunden Abschied zu nehmen, der kann erfahren, dass der Glaube an die Auferstehung manchmal auf recht wackeligen Füßen steht. Und niemand braucht sich seines Schmerzes und seiner Tränen zu schämen.
Paulus bezeichnet interessanterweise in der zweiten Lesung die Taufe als eine Art Begräbnis. Wenn in der orthodoxen Tradition das nackte Kind bei der Tauffeier dreimal ganz im Wasser untergetaucht wird, dann wird das sogar etwas deutlicher als in unserer westlichen Liturgie, bei der nur etwas Wasser über den Kopf gegossen wird, um dann meist gleich wieder fürsorglich abgetrocknet zu werden.
Das dreimalige Untertauchen des Täuflings soll an die drei Tage erinnern, in denen auch unser Herr Jesus Christus im dunklen Grab gelegen hat. Das Untertauchen des Täuflings ist das eine, das Herausheben ist das andere. Damit wird an die Auferweckung erinnert. Die erste Schöpfung Gottes in Adam und Eva ist vergänglich, die Neuschöpfung in Jesus Christus ist unvergänglich und begründet die Verheißung zum ewigen Leben, das kein Tod uns Menschen entreißen kann, wenn wir glauben.
Über das Ritual hinaus stellt Paulus Ostern als Urereignis vor Augen, das im Glauben an den lebendig wird, der das bewirken kann: Gott selbst. Wie Gott seinen Einziggeborenen Sohn Jesus Christus vom Tod auferweckt hat, so wird er auch alle auferwecken, die an seinen Sohn Jesus Christus glauben. Und Paulus geht noch einen Schritt weiter. Wenn wir uns heute auch schwer tun mit dem Begriff der „Todsünde“, so lädt er uns ein, das Todbringende jeder Sünde, jeder Abwendung und Absonderung von Gott zu bedenken. Kleine und große Sünden entfernen die Menschen voneinander, bauen Mauern zwischen ihnen auf und führen den einzelnen immer tiefer in die Isolation. Diesen Teufelskreis hat Jesus Christus durch seinen Tod und durch seine Auferstehung überwunden. Paulus dürckt das so aus, dass wir als Sünder „tot“ sind, jetzt aber mit Christus und in seiner Aufstehung wieder „lebendig gemacht“ sind.
Gemeint ist die Lebendigkeit in Christus, die wirkliche Lebenskraft und Lebensfreude schenkt, denn an Ostern sind alle Sünden vergeben. Lassen wir uns ruhig daran erinnern, dass die Taufe von Sünden befreit und die Lossprechung in sich trägt. Jede Sündenvergebung schenkt neuen Lebensmut.
Und noch ein Bild führt Paulus im Kolosserbrief ein. Es ist gerade in unseren Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrise, von Pleiten und Privatinsolvenzen ganz anschaulich.
Die Sündenlast, die uns Menschen belastet, ist wie ein Schuldschein der Menschen, der bei Gott hinterlegt ist. Paulus geht damit auf ein ganz falsches Gottesbild ein, das auch bis heute noch nicht ganz überwunden ist: Gott als Buchhalter, der alles Böse genau verzeichnet. Dieses Bild greift Paulus auf und überwindet es, denn dieser Schuldschein ist mit der Auferstehung Jesu Christi durchgestrichen. Da gibt es nichts mehr, was noch beglichen, bezahlt oder wieder gutgemacht werden müsste. Die Schuld des Menschen ist ans Kreuz Jesu Christi geheftet worden ist. Es ist ein sehr drastisches Bild, aber Paulus will Klarheit über den österlichen Christusglauben vermitteln.
Daher lädt die heutige Lesung ein, den Kern der Osterbotschaft als das wichtigste Fundament unseres christlichen Glaubens zu erinnern. Gottes Ja zum Leben hat sich über alles Tote und Todbringende als siegreich erwiesen. Auch wenn wir Zeiten der Trauer brauchen, so tröstet und hilft die Gewissheit, dass unsere Taufe letztlich der Geburtstag zum ewigen Leben ist. Diese Feier dauert ein ganzes Leben lang, und niemand kann uns diese Freude nehmen. Auch wenn wir heute von Ihnen, liebe Frau Kießling, Abschied nehmen müssen, was ja auch mit Trauer verbunden ist, wollen wir dies tun in großer Dankbarkeit und Freude, da uns alle ja bleibend die Taufe und die Osterbotschaft verbindet, die über alle Zeit und Grenzen hinaus lebendig bleibt. Amen.







