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Mahner, Missionar und Menschenfischer…

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Zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul dem Großen

Mit der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. würdigt die Kirche das heiligmäßige Leben eines der ganz großen Päpste in der Kirchenge­schichte (eine neue Website zur Seligsprechung finden sie hier). Sein unermüdlicher Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Würde eines jeden Menschen wirkt sich bis heute aus. Sein Mut zur Wahrheit, seine Liebe zu Gott und den Menschen und sein missiona­risches Glaubenszeugnis berührten die Herzen von Millionen Menschen, die er für Gott gewinnen konnte. Er liebte die Menschen und die Men­schen liebten ihn.


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Als am 16.10.1978 weißer Rauch die Wahl eines neuen Papstes verkün­det, ist die Überraschung per­fekt: der erste slawische Papst überhaupt und der erste Nichtitaliener seit 455 Jahren auf dem Stuhl Petri. Fami­lienangehörige können sich mit Karol Wojtyla nur im Himmel freuen, denn schon im Alter von acht Jahren stirbt seine Mutter, wie auch schon seine Schwester gleich nach ihrer Geburt gestorben ist. Und auch sein älterer Bruder stirbt, als Karol gerade einmal elf Jahre alt ist. Er verbringt seine Kindheit und Jugend allein mit seinem Vater in sei­ner Geburtsstadt Wadowice bei Krakau. Den Lolek, wie er gerufen wird, trifft man am ehesten in der Kirche neben seinem Elternhaus, auf dem Sportplatz oder beim Theaterspielen. Im Alter von 21 Jahren verliert er im Jahre 1941 auch seinen Vater. Sein tiefer Glaube verhilft ihm, auch diesen Schick­salsschlag zu verarbeiten.


Um nicht als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert zu werden, arbeitet Karol in einem Steinbruch. Dort reift in ihm der Entschluss, Priester zu werden, und seinen langen Berufswunsch, Schauspieler, auf­zugeben. Mehrere seiner jüdischen und polnischen Freunde werden von den Nazis ins Konzentrationslager deportiert. Auschwitz liegt nur unweit von Krakau, wo Karol seit 1939 lebt und sich in einem geheimen Priesterseminar auf die Priesterweihe vorbereitet. Nach dem Kriegsende wird Karol Wojtyla am 02.11.1946 zum Priester geweiht. Nach einem zweijährigen Romaufenthalt und verschiedenen Vikarsstellen setzt der überaus begabte Priester wieder seine Studien fort. Als Professor lehrt er an zwei Universitäten und wird im Jahre 1958 zum Weihbischof von Krakau ernannt. Bereits nach sechs Jahren wird er als jüngster Bischof im polnischen Episkopat neuer Erzbischof von Krakau, und weitere drei Jahre später wird er von Papst Paul VI. zum Kardinal ernannt. Durch seine verschie­denen Auslandsreisen gewinnt der sprachbegabte Bischof auch Freunde außerhalb seiner Heimat, wo seine Popularität ständig wächst. Seine menschenfreundliche, liebenswürdige Art macht ihn zu einem beliebten Jugendseelsorger, der gerne mit Jugendlichen in die Berge geht, campt, Kajak und Ski fährt und am Lagerfeuer auch gerne einmal die Gitarre zur Hand nimmt. Bei allen Unternehmungen sind Kreuz, Klappaltar, Stundenbuch und Rosenkranz dabei. Es wird gebetet und über die gro­ßen Fragen der Welt und des Glaubens gesprochen.


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Im Umgang mit dem kirchenfeindlichen kommunistischen Regime agiert Kardinal Wojtyla mutig und äußerst klug. Unermüdlich fordert er die Achtung der Menschenrechte ein, die Aufhebung der Zäsur und Freiheit für Kir­chenneubauten und Religionsunterricht. Das Jahr 1978 wird für den 58jährigen Kardinal zum Wendepunkt seines Lebens. Beim zweiten Konklave innerhalb nur eines Monats wählen ihn 111 Kardinäle zum Nachfolger Christi auf dem Stuhl Petri. Sein Vorgän­ger, Papst Johannes Paul I., war nach nur 33 Tagen völlig überraschend verstorben.


„Habt keine Angst, öffnet eure Türen Christus dem Erlöser“, ruft der neue Papst den Menschen auf dem Petersplatz zu. Diese Worte sind gleichsam sein Programm, das er in 104 Pastoralreisen und 14 Enzykliken den Menschen nahe bringen wird: „Der Mensch ist der Weg der Kirche, weil Christus der Weg des Menschen ist.“ In der Zeit seines langen Pontifikates wächst die katholische Kirche von 750 Mil­lionen über die Milliar­dengrenze hinaus. Wie kein anderer Papst vor ihm stärkt er die neuen geistlichen Bewegungen. Er spricht mehr Menschen selig und heilig als alle Päpste des 20. Jahrhunderts vor ihm zusammen. Heilig zu werden ist nach seiner Überzeugung wirklich möglich. Er führte die Weltju­gendtage ein und begeisterte Millionen junger Menschen vom Glauben an Christus und seine Kirche. Sein zentrales Anliegen sind die christli­chen Familien und die Neuevangelisation. Sein konsequentes Eintreten für Freiheit und Menschenrechte, sein Einsatz gegen Abtreibung, Todes­strafe, soziale Ungerechtigkeit und kriegerische Auseinandersetzungen, sein ent­schiedener Kampf gegen eine „Kultur des Todes“ und für die grundlegenden Wahrheiten des katholischen Glaubens brachte ihm auch eine oftmals lautstarke Gegnerschaft ein.

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Doch der selige Papst Johannes Paul II. blieb sich und seiner Sendung treu. Er verteidigt weiterhin die Würde des Menschen, er vertieft den Glauben mit der Herausgabe eines Weltkatechismus und einer Erweite­rung seines Lieblingsgebetes des Rosenkranzes mit den lichtreichen Geheimnissen, er geht in der Ökumene neue Schritte, indem er als erster Papst seine evangelischen Glaubensbrüder in ihrer Kirche in Rom besucht. Er besucht Juden und Muslime und lädt zu einem interreligiö­sen Treffen in Assisi ein, führt Interviews und gibt Bücher und CDs her­aus. Er öffnet zu Beginn des Heiligen Jahres 2000 die Heilige Pforte und führt die Kirche ins neue Jahrtausend, indem er öffentlich um Verge­bung für die Sünden bittet, die von Gliedern der Kirche im Verlaufe der Kirchengeschichte begangen wurden. Seine Pilgerreise ins Heilige Land im März 2000 wird zu einer historischen Friedensfahrt. Die kirchenkriti­sche Jerusalem Post schreibt: „In 2000 Jahren hat kein Mensch mehr für die Aussöhnung zwischen Christen und Juden getan als dieser polnische Papst.“


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Anfangs des Jahres 2005 verschlechtert sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Während zehntausende Menschen auf dem Petersplatz beten und singen stirbt dieser große Papst am 02.04.2005, dem Vorabend des von ihm eingeführten „Sonntags der göttlichen Barmherzigkeit“. Über vier Millionen Menschen sind bei seiner Beisetzung in Rom anwe­send. „Santo subito – sofort selig“ skandieren Plakate. Und jetzt ist es soweit: am 01.05.2011, wieder an einem Barmherzigkeitssonntag, wird der große Papst, der bereits kurz nach seinem Tod im „Ruf der Heilig­keit“ stand, selig gesprochen. Hunderttausende Pilger aus aller Welt strömen Tag für Tag zur Grabstätte dieses Papstes, der das internatio­nale Ansehen des Papsttums gefördert und mit seinen charismatischen Initiativen und seinem heiligmäßigen Leben Millionen Herzen für Gott gewonnen hat: Johannes Paul der Große, wir danken Dir! 


In den ersten Jahren nahm der sportliche Papst beim Treppensteigen die weiße Soutane zusammenraffend stets zwei, drei Stufen auf einmal. Worauf ihn ein beleibter Kurienkardinal fragte, ob dieser Gang der päpstlichen Würde nicht widerspreche. Darauf antwortete der Papst lächelnd: „Ich habe Bewegung nötig, und ich glaube, Sie auch.“

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Weitere Informationen in: PUR spezial 2/2011; 2/2000
http://www.pur-magazin.de