Feier der Heiligen Profess von Sr. M. Johanna Konrad
| Es wird Abend in Heiligenbronn. Am Ende eines bewegenden Tages sitze ich in der stillen Klosterkirche und schaue mir das Professbild von Sr. M. Johanna an. Ich lese die Worte: Aufgebrochen bin ich, dich zu suchen, den meine Seele liebt. Mit glühendem Herzen verlangt mich, dich, meinen Herrn, zu sehn. Ich suche dich, du selbst bist’s, der mich findet. |
Aufbruch! Ich denke zurück, wie alles angefangen hat. Im August 2004 erzählt mir Ulrike auf der Jugendpilgerreise der Seelsorgeeinheit nach Rom vom ersten Aufenthalt im Kloster Heiligenbronn. Das Angebot, dort ein paar Tage mitzuleben, hat sie im Internet gefunden. Die dort gemachten Erfahrungen haben sie offensichtlich sehr angesprochen. Aufbruch ist bereits spürbar. Etwas, nein, JEMAND zieht sie. Und Ulrike lässt sich ziehen. Es ist schön miterleben zu dürfen, wie sie ihrer Sehnsucht folgt, sich ziehen und wandeln lässt, von dem „den ihre Seele liebt“. Stufenweise wächst sie in das Klosterleben hinein, durchschreitet die Stufen der Kandidatur, des Postulats sowie des Noviziats. Prüft ihre Berufung.
Heute am 03. Mai die Entscheidung für ein Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam um des Himmelreichs willen. Die erste heilige Profess zeigt: Sie hat sich „finden lassen“. Sie gibt Antwort auf den Anruf Gottes: „Ich bin bereit.“ Sie erklärt sich bereit, in der Gemeinschaft mit ihren Mitschwestern Christus ungeteilt nachzufolgen. Der Ritus der heiligen Profess ist feierlich und doch schlicht. Die Anrufung der Heiligen, während die Professe sich als Zeichen der Hingabe auf dem Boden ausstreckt, die Übergabe der Zeichen (Gewand, Schleier und Strick) in Verbindung mit den ausdeutenden Worten sprechen für sich, lassen die Tiefe dessen erahnen, was sich hier vollzieht. Ein spannender Moment in der Feier der Profess, als die Generaloberin verkündet: „Ulrike heißt von nun an Sr. Maria Johanna.“ Der neue Name leitet sich von Johannes, dem Lieblingsjünger Jesu ab.
Ein Gedanke hat sich wie ein roter Faden durch die Feier gezogen: Die Berufung von Sr. Johanna ist Gnade. Sie kann Antwort geben auf den Anruf Gottes, weil sie sich von ihm geliebt weiß. Gerade auch der von ihr gewählte Schrifttext aus dem Buch des Propheten Jesaja, aus dem auch ihr Professspruch stammt, bringt dies im Bild der bräutlichen Liebe schön zum Ausdruck:
Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt. Denn wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor und Ruhm vor allen Völkern. Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel. Dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit und alle Könige deine strahlende Pracht. Man ruft dich mit einem neuen Namen, den der Mund des Herrn für dich bestimmt. Du wirst zu einer prächtigen Krone in der Hand des Herrn, zu einem königlichen Diadem in der Rechten deines Gottes. Nicht länger nennt man dich «Die Verlassene» und dein Land nicht mehr «Das Ödland», sondern man nennt dich «Meine Wonne» und dein Land «Die Vermählte». Denn der Herr hat an dir seine Freude und dein Land wird mit ihm vermählt. Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich. (Jes 61-10-62,5)
Das Zeugnis, das Sr. Johanna durch ihre Profess gibt, kann Ermutigung sein für unser eigenes Christsein. Sie gibt mit ihrer Lebenshingabe Zeugnis für das Größere, für das eine Notwendige. Und letztlich sind auch wir durch die Taufe gerufen, uns immer wieder neu darum zu bemühen, der Welt dafür Zeugnis zu geben, dass „Gott allein genügt“ (Teresa v.A.).
Gabriele Vogel






