Der neue Kirchenführer St. Gebhard - Text
| Hier finden Sie einen Auszug der Texte, die für unseren Kirchenführer geschrieben wurden. Im Kirchenführer sind sie geringfügig abgeändert. Der Kirchenführer ist reich bebildert und kann im Pfarrbüro oder am Schriftenstand in der Kirche erworben werden. | |
| St. Gebhard und Kloster Petershausen (Text: Günter Mäule) | |
| Der Patron der Kirche, der heilige Gebhard, war von 979 bis 995 als Gebhard II. Bischof von Konstanz. Er wurde als viertes Kind des Grafen Uotzo aus dem Geschlecht der Udalrichinger im Jahre 949 auf der Stammburg bei Bregenz geboren. Seine Mutter Dietburg starb noch vor seiner Geburt, so dass das Kind aus dem toten Mutterleib geholt werden musste. Das Überleben des Kindes wurde als göttlicher Hinweis dafür betrachtet, ihn die geistliche Laufbahn einschlagen zu lassen. Als er das Alter für eine geistliche Ausbildung erreicht hatte, wurde er an die Domschule zu Konstanz in die Obhut des damaligen Bischofs Konrad (heilig gesprochen 1123, Patron des Bistums Konstanz) gegeben. Gebhard war als guter und lernwilliger Schüler bald sehr beliebt und wurde seiner Bestimmung entsprechend Priester. | |
| Als der weithin verehrte Konrad starb, wurde Gaminolf sein Nachfolger auf dem Konstanzer Bischofsthron. Nach dessen Tod wurde im Jahre 979 Gebhard vom Konstanzer Domkapitel gewählt und von Kaiser Otto II. bestätigt. Das Bistum Konstanz war in seiner Ausdehnung das größte deutschsprachige Bistum. Es erstreckte sich vom Raum Stuttgart bis zum St.-Gotthard-Pass und von der Rheinebene bei Straßburg bis fast nach Augsburg. | |
| Eines der wichtigsten Anliegen Bischof Gebhards war die Gründung eines neuen Klosters. Damit sollte der Plan Konrads vollendet werden, durch die Gründung neuer Kirchen und Klöster aus der Bischofsstadt Konstanz ein symbolisches Abbild der heiligen Stadt Rom zu machen. Dazu fehlte nur noch das „Abbild" von San Pietro in Vaticano, des Petersdomes, der in Rom jenseits des Tibers gelegen ist. | |
| Gebhards Vater war ein begüterter Graf. Als er starb, wollten die Brüder Gebhards das ganze Erbe an sich reißen, da sie der Meinung waren, dieser bräuchte als Geistlicher keinen weltlichen Besitz. Unter Androhung von Gewalt forderte Gebhard jedoch sein Erbe bei seinen Brüdern ein, um damit seine Klostergründung voranzutreiben. Das vorgesehene Baugelände, jenseits des Rheins am nördlichen Rheinufer gelegen, gehörte der Reichsabtei Reichenau. Durch Tausch erwarb Gebhard dieses Gelände. | |
| Im Jahre 983 konnte das Kloster feierlich eingeweiht werden und die ersten zwölf Mönche zogen in die Konventsgebäude ein. Aus seinem Erbe schenkte Gebhard viel Land an das neue Kloster, welchem er den Namen „Domus Petri" (Haus des Petrus, Petershausen) gab. Auch der Papst gab seinen Segen zu dieser Neugründung. Die Klosterkirche wurde dem heiligen Papst Gregor dem Großen, einem der vier frühchristlichen Kirchenväter, geweiht. Während einer Romreise Gebhards beschenkte ihn der Papst mit kostbaren Reliquien dieses Heiligen, darunter dessen Haupt. Auch war die neue Klosterkirche ungewöhnlicherweise nach Westen ausgerichtet, wie als einzige der großen römischen Kirchen der Petersdom. Solche Symbole verstanden die mittelalterlichen Menschen: Petershausen war für sie ohne Einschränkung ein „Abbild" des Petersdomes in Rom. | |
| Der heilige Gebhard starb bereits im Alter von 46 Jahren im Jahre 995 und wurde seinem Wunsch gemäß in der Klosterkirche Petershausen begraben. Im Jahre 1134 wurde er heilig gesprochen, und seine Gebeine in das Konstanzer Münster überführt. Gebhards Klostergründung, die Reichsabtei Petershausen, wurde zu einem der wichtigsten Klöster des südwestdeutschen Raumes. Vom Rang und Wohlstand der Abtei Petershausen zeugen hochfliegende Umbaupläne in der Barockzeit, die solchen Anlagen wie St. Gallen oder Salem in nichts nachstanden. Da sich die Säkularisierung bereits abzeichnete, konnten diese Pläne nur zum Teil (Konventsbauten) verwirklicht werden. | |
| Petershausen nach der Aufhebung des Klosters (Text: Günter Mäule) | |
| Bis Anfang des 19. Jahrhunderts gab es um das Kloster herum nur eine kleine Siedlung, in der die Dienstleute des Klosters wohnten. Eine Gebäudegruppe am nördlichen Brückenkopf der Konstanzer Rheinbrücke bildete das so genannte „Sternenviertel", benannt nach dem Gasthaus „Sternen" ebendort. Doch wurde Petershausen von den Umwälzungen des 19, Jahrhunderts nachhaltig verändert. 1802 kamen die vorderösterreichischen Gebiete des Habsburgerreichs, und mit ihnen auch Konstanz und das Kloster Petershausen, zum neu gegründeten Großherzogtum Baden. Das Kloster wurde aufgehoben (säkularisiert) und die Mönche auf andere Klöster verteilt. Die ehrwürdige Klosterkirche stand bald leer, verfiel und wurde 1831 abgerissen. Ihr romanisches Figurenportal befindet sich heute im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. Die Klosterbibliothek ging an die Universität Heidelberg. | |
| Nachdem die Anlage einige Jahrzehnte schon als Militärhospital genutzt wurde, begann ab 1850 der Ausbau zur so genannten Klosterkaserne. Neben den barocken ehemaligen Konventsbauten der Abtei (heute Archäologisches Landesmuseum und Stadtarchiv) entstand 1873 das Hauptgebäude der Kaserne (heute Polizeidirektion). 1863 wurde Konstanz an das badische Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Einwohnerzahl der Stadt wuchs deutlich an. Neben dem linksrheinischen „Paradies" waren die freien Felder und Grundstücke von Petershausen das natürliche Stadterweiterungsgebiet. Etwa ab der Jahrhundertwende entstand die Seestraße als neue Uferpromenade, ebenso die Wilhelmstraße (heute Theodor-Heuss-Straße) als neue Petershauser Verkehrsachse. 1908 bis 1912 wurde – noch auf weitgehend freiem Feld vor der Stadt – die Volksschule Petershausen (heute Theodor-Heuss-Schule) gebaut. | |
| Mit der Zunahme der Bevölkerung wurde eine Seelsorgeeinrichtung notwendig. Ziel war es, in Petershausen eine neue Pfarrei zu gründen und eine neue Kirche zu erbauen. Mit der Einrichtung eines Baufonds 1905 war der erste Schritt getan. Der zweite Schritt war die Gründung eines selbstständigen Seelsorgebezirks – der „Pfarrkuratie Konstanz-Petershausen" – am 9. August 1909. Die Gottesdienste hielt man nun teilweise im Singsaal der neuen Volksschule, teilweise im Kapitelsaal des Konstanzer Münsters ab. Am 18. November 1909 übernahm Karl Börsig als erster Seelsorger die Gemeinde. Ihm verdanken wir die Einrichtung der Pfarrei und den Bau der heutigen St. Gebhardskirche. | |
| Die neue Kirche sollte bereits 1913 errichtet werden. Ein Baugelände gegenüber der Petershauser Volksschule war hierfür erworben worden, die Finanzierung war gesichert und ausgearbeitete Baupläne lagen vor. Geplant war ein großer Kirchenbau im Stil des Neobarock mit einem 65 m hohen Turm. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vereitelte das Projekt, und das angesparte Kapital ging während der Inflation verloren. Weil in den Kriegsjahren in der Volksschule ein Lazarett eingerichtet war, beschloss man 1915 wenigstens den Bau einer behelfsmäßigen Holzkirche auf dem Platz unmittelbar daneben (heute Telekom-Hochhaus). Diese am 16. Juli 1916 geweihte Notkirche war für über 13 Jahre das Gotteshaus der Petershauser Gemeinde, auch nach der Gründung einer eigenen Pfarrei St. Gebhard am 24. Mai 1921. Erst 1937 wurde die mit dem Bau der Gebhardskirche funktionslos gewordene und seit 1930 ungenutzte Notkirche abgebaut und das Material zum Neubau der Susokirche verwendet. | |
| Die Pfarrkirche St. Gebhard (Text: Dr. Franz Hofmann) | |
| Noch dem ursprünglichen Gesamtkonzept folgend, wurde 1926 das Pfarrhaus im Stil des Neobarock erbaut. Kirche, Pfarrhaus und Schule sollten das aufeinander bezogene architektonische Zentrum des Stadtteils Petershausen bilden. Für den neuen Kirchenbau allerdings mussten die Pläne grundlegend abgeändert werden. Ein so teurer und aufwändiger Kirchenbau wie 1913 geplant, war in der schwierigen Zeit der späten 1920er Jahre weder zu finanzieren noch vor den Menschen zu vertreten. Aufgrund der weiter steigenden Zahl der Gemeindemitglieder konnten aber hinsichtlich der Größe keine Abstriche gemacht werden, im Gegenteil: Der Baukörper musste noch größer, die Fassade aus städtebaulichen Gründen noch breiter dimensioniert werden als 1913. Die einzig sich bietende Lösung war, auf alles stilistische, nicht dringend nötige Beiwerk zu verzichten und konsequent modernste Bauformen und Kosten sparende Stahlbeton-Konstruktionen anzuwenden. | |
| Das Erzbischöfliche Bauamt in Freiburg arbeitete daher 1928 unter Leitung von Oberbaurat Graf und Architekt Luger neue Pläne aus. Auf den 1913 noch geplanten Chorumgang wurde ebenso verzichtet wie auf eine Zwiebelhaube des Turmes und andere neobarocke Stilelemente. Lediglich „einige barocke Reminiszenzen" wurden beibehalten, um einen stilistischen Bezug zum Pfarrhaus und der Volksschule herzustellen: so etwa die geschwungene Giebelform der Hauptfassade, barock wirkende Fenster oder der kleinteilige Turmabschluss. Abgesehen davon stand der nun geplante Kirchenbau mit seinen klaren, fast monumentalen Formen ganz im Geiste und Stil der Weimarer Sachlichkeit. | |
| Am 23. Juni 1929 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung mit einer Prozession vom Münster nach Petershausen. Der Rohbau war bereits am 25. Januar 1930 fertiggestellt. Unter großen Publikumsandrang nahm am 9. November 1930 Erzbischof Karl Fritz die Weihe des neuen Gotteshauses St. Gebhard vor. „Die Katholiken in Konstanz haben ihrem heiligen Bischof Gebhard das herrlichste Denkmal gesetzt", hieß es dazu in der Presse. | |
| Im Inneren ist die neue Gebhardskirche auf den ersten Blick eine konventionelle dreischiffige Basilika mit angeschlossenem Chorraum. Besonderheiten fallen erst bei näherer Betrachtung auf, so der runde Chorabschluss in der Form einer monumentalen Apsis oder die einen offenen Dachstuhl zitierende Deckenkonstruktion. Ungewöhnlich ist auch die Diskrepanz zwischen breiten, romanisch wirkenden Rundbögen zwischen den Schiffen und hohen, lichten Fenstern darüber. Der Innenraum steht damit – wie schon das Äußere – in einer Art Spannungsfeld zwischen historisierenden Architekturformen und moderner Klarheit der Raumkonstruktion. | |
| Ursprünglich war der Innenraum von dem Karlsruher Kunstmaler Franz Schilling großflächig szenisch und ornamental ausgemalt worden, auch waren die „Balken" in der Decke wie der Hochaltar vergoldet und alle Skulpturen farbig gefasst. Bei einer umfangreichen Innenrenovierung 1960/61 wurde diese Ausstattung weitgehend entfernt zugunsten eines klaren, hell getünchten Innenraums. Der Chorraum wurde dabei komplett neu gestaltet, außerdem in der ehemaligen Taufkapelle im Erdgeschoss des Turmes die St. Gebhard-Kapelle zur stillen Andacht und besonderen Verehrung des Titelheiligen eingerichtet. 1967 erfolgte die erste Außenrenovierung der Kirche, 1989/90 eine weitere Renovierung und Umgestaltung des Innenraums, 2000/01 die Sanierung des Turmes und schließlich 2004/05 die erneute Außenrenovierung. Damit präsentiert sich die Gebhardskirche heute, zu ihrem 75-jährigen Jubiläum, als modernes, helles Gotteshaus. | |
| Die Ausstattung (Text: Dr. Franz Hofmann) | |
| Nur zwei Ausstattungsstücke der Kirche sind vor 1930 entstanden. Sie stammen aber beide aus ganz anderem Zusammenhang und wurden erst um 1989 – unter Pfarrer Franz Schwörer – aus dem Kunsthandel erworben. An zentralem Platz in der Kirche, an der Treppe zum Altarraum neben dem Hauptaltar, ist ein schönes, ungefasstes Kruzifix (17. Jh.?) aufgestellt. Der Bildhauer dieser geschnitzten Christusfigur ist unbekannt, eine Datierung ist schwierig. Das Kreuz ist neu. Barock ist auch eine geschnitzte Halbfigur in einer Wandnische in der St. Gebhard-Kapelle. Sie stellt einen heiligen Bischof mit Stifterkirche dar und wird als hl. Gebhard identifiziert (17. Jh.). Auch hier sind Bildhauer und originale Herkunft unbekannt. Sicher war diese Lindenholzskulptur ursprünglich farbig gefasst. | |
| Aus der Bauzeit der Gebhardskirche sind einige originale Kunstwerke erhalten geblieben. Der Karlsruher Kunstmaler Franz Schilling lieferte 1930 auch die Entwürfe zu drei szenischen Glasfenstern, die noch im selben Jahr von der Konstanzer Glasmalereifirma Lütz und Elmpt, Inh. P. Lütz, angefertigt wurden. Das Fenster in der linken Seitenkapelle (Sakramentskapelle) zeigt die Geburt Christi als sehr kompakte, dichte Szene. Ein schmales, hohes Fenster in der Beichtkapelle rechts vom Eingang stellt den heiligen Franziskus dar, der in tiefer Versenkung vor einem Kruzifix seine Stigmata (Wunden Jesu) empfängt. Nicht öffentlich zugänglich ist das dritte Fenster in der Sakristei, das den gekreuzigten Christus in der frühmittelalterlichen Ikonographie als Triumphator zeigt, flankiert von der Muttergottes und Johannes (restauriert 1995). | |
| Der neben F. Schilling für die Kirche wichtigste Künstler der Bauzeit war der Konstanzer Bildhauer Paul Diesch (gest. 1953), dessen Atelier ganz in der Nähe in der Petershauser Wilhelmstraße (heute Theodor-Heuss-Straße) lag. Diesch fertigte 1930 die Kanzel „in Kunststein" mit einem vergoldeten Hochrelief „Lehret alle Völker". In einer ungewöhnlichen, am „Letzten Abendmahl" angelehnten Ikonographie sitzt Christus zwischen den Aposteln, die er zur Mission der Völker der Welt aussendet. Gleichzeitig thront er aber in der Art des Weltenrichters erhöht auf einer das Universum darstellenden Kugel. | |
| Von Paul Diesch stammen auch alle Holzskulpturen und Holzreliefs, deren stille Erhabenheit und zurückhaltende Farbigkeit sehr gut zum Innenraum der Gebhardskirche passt. In den Jahren nach 1930 schuf Diesch die großen Standfiguren Maria mit Kind auf einer Mondsichel (links vom Chor), Segnender Christus als Herz-Jesu-Typus (rechts vom Chor) und Hl. Josef als Zimmermann mit Jesuskind an der Hand (rechtes Seitenschiff), ferner die 14 Holzreliefs der Kreuzwegstationen (beginnend an der rechten Seitenwand am Chor), deren Szenen auf das Wesentliche reduziert sind, sowie die beiden Büstenreliefs des hl. Antonius von Padua (1. Pfeiler links) und des hl. Thaddäus (1. Pfeiler rechts) im Eingangsbereich. | |
| Die Fassung der Holzfiguren und -reliefs ist weitgehend original, 1989 wurden sie durch die Firma Markus Gügel, Werkstätten für Denkmalpflege, Konstanz, restauriert. Außer den Kunstwerken in der Gebhardskirche, die vielleicht als das Hauptwerk Dieschs gelten können, stammen von ihm unter anderem die Figuren auf dem Konstanzer Stadttheater, mehrere Grabdenkmale auf dem Hauptfriedhof, eine Skulptur in der Konzertmuschel im Stadtgarten und ein im Rosgartenmuseum aufbewahrter hl. Christophorus. | |
| Die Innenrenovierung 1960/61 hat die Gesamtwirkung des Kirchenraums grundlegend verändert. Die Ausmalung wurde komplett entfernt und mit ihr zahlreiche alte Ausstattungsgegenstände wie Altäre oder Skulpturen, um – ganz im Geiste der Zeit – eine „zusammenhanglose Vielfältigkeit" zugunsten einer formalen Einheit zu beseitigen. Insbesondere der Chorraum wurde einer konsequenten Modernisierung unterzogen, die den neuen liturgischen Anforderungen gerecht werden musste. Auch die im November 1930 eingebaute Orgel der Überlinger Orgelbauanstalt X. Mönch Söhne, wurde 1961 – von derselben Orgelbaufirma – weitgehend modernisiert. | |
| Die auffälligste Veränderung war aber zweifellos die Anbringung eines riesigen farbigen Mosaiks an der Chorwand, das den Innenraum bis heute prägt und jedem Besucher sofort ins Auge fällt. Dagestellt ist der auferstandene Christus als Erlöser und Hoherpriester vor dem Berg Sinai als Symbol des überwundenen Alten Bundes. Christi rechte Hand ist der bedrängten Menschheit zugewandt, seine linke Hand weist hinauf zu Gottvater. Entwurf und Ausführung des Mosaiks stammen von Prof. Peter Recker, Donauwörth (1961). | |
| Auch der ehemals auf dem Hauptaltar aufgestellte Tabernakel wurde wohl von Peter Recker 1961 geschaffen. Seit 1989/90 ist dieses Bronzerelief in der linken Seitenkapelle (Sakramentskapelle) in eine Altararchitektur eingelassen. Sein Thema ist das Wort Christi: „Ich bin der Weinstock, ihr die Reben. Wer keine Frucht bringt, wird ins Feuer geworfen.". Ein ehemals hinter dem Hauptaltar aufgetelltes Altarkreuz aus Bronze mit Schale für ein Ewiges Licht, ebenfalls von Peter Recker (1961), wird derzeit im Obergeschoss des Turmes aufbewahrt. | |
| Die Innenrenovierung unter Pfarrer Schwörer (Altarweihe am 16. September 1990) hat ebenfalls nachhaltige Spuren hinterlassen. Hier sind vor allem die Bronzewerke der Konstanzer Bildhauerin Pia Stengele (1922–1997) zu nennen. Stengele stammte aus einer Künstlerfamilie und studierte bei Müller-Oerlinghausen in Kressbronn sowie an der Münchner Kunstakademie. Sie stellte das bewusste Einfühlen in die Psyche des Menschen in den Vordergrund ihrer Arbeiten. Verwiesen sei etwa auf ihre ausdrucksstarke, lebensgroße Skulptur des hl. Konrad auf dem Konstanzer Friedhof. | |
| Für die Gebhardskirche schuf sie 1991/92 eine aus fünf Bronzereliefs bestehende, „Den Opfern der Unmenschlichkeit und Unterdrückung" gewidmete Gedenkstätte (Eingangsbereich, linke Seitenwand). Um ein vergrößertes Mittelrelief mit dem toten Christus im Arm von Maria als Brustbilder sind beidseitig je zwei kleinere Reliefs angeordnet: „Vertreibung", „Krieg", „Drogentod" und „Kindesmisshandlung". Damit richtet sich dieses Mahnmal gegen die Gewalt nicht nur zu Kriegszeiten, sondern auch in unserer modernen Gesellschaft. In der 1989 neu gestalteten St. Gebhard-Kapelle befinden sich zwei weitere Kunstwerke Pia Stengeles: ein kleines Bronzekruzifix über dem Altar (1989) und ein Madonnenrelief in der Ecke (1990). Beide Bildwerke sind sehr persönlich, fast privat gestaltet und laden so zur stillen Kontemplation und Andacht ein. | |
| Der Konstanzer Maler Maximilian Bartosz entwarf für die St. Gebhard-Kapelle 1989 ein figürliches Glasfenster, das von der Überlinger Firma Glasgestaltung N. Dierig ausgeführt wurde. Dargestellt ist die alttestamentarische Szene „Gott besucht Abraham" (Genesis 18). Gott ist hier in seiner Dreifaltigkeit aus Gottvater, Christus und Heiligem Geist dargestellt, Abraham als einfacher Mann, der vor Gott auf die Knie fällt. | |
| Die jüngste Veränderung im Innenraum (2005) betrifft das von Matthias Blessing neu gestaltete steinerne Taufbecken, das von der Taufkapelle neben dem Eingang in den unmittelbaren Eingangsbereich versetzt wurde und so sinnfällig jeden eintretenden „empfängt": die Taufe als Eingangssakrament zum Christsein. Aus einer Kugel aus grünlichem Stein tritt oben, den Taufbrunnen symbolisierend, das Wasser aus, um im Becken aufgefangen zu werden. | |
| Außerdem erhielt das Geläut der Gebhardskirche zum 75-jährigen Jubiläum eine fünfte Glocke, gewidmet dem hl. Josef. | |
| Die Glocken in Sankt Gebhard | |
| 1930 | Firma B. Grüninger & Söhne Glockengießerei in Villingen: 772 kg (f), Durchmesser 110 cm, Schutzengelglocke; 1291 kg (d), Durchmesser 131 cm, Hl. Karl Borromäus (im Krieg eingeschmolzen); 1832 kg (c), Durchmesser 146 cm, Muttergottes (im Krieg eingeschmolzen); 3240 kg (a), Durchmesser 175 cm, Hl. Petrus (im Krieg eingeschmolzen) |
| 1951 | Firma Gießerei Schilling, Heidelberg: 1100 kg (esʹ), Marienglocke2200 kg (cʹ), geweiht St. Gebhard |
| 1954 | Firma Gießerei Schilling, Heidelberg: 4300 kg (asʹ), Durchmesser 194 cm, Christkönigsglocke |
| 2005 | Firma Perner, Passau: ca. 800 kg (as), Josefsglocke, Weihe 3. Juli 2005 durch Bischof Emil Stehle |
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