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Der heilige Gebhard (949 – 996)

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St. Gebhard (Text: Sigrid Steinhauser)
Im Jahre 949 wurde Gebhard als jüngster Sohn des Grafen Ulrich VI. von Bregenz und dessen Gemahlin Dietburg auf dem Schlosse Hohenbregenz geboren.
Gebhard fand an den adeligen Vergnügungen seiner Altersgenossen keinen Gefallen. Ihn lockten die Bücher und die Glocken des Konstanzer Domes weit mehr. Der Vater unterstützte die Neigungen seines Jüngsten gern, indem er ihn für den geistlichen Stand bestimmte.
Auf dem Konstanzer Bischofssitz regierte damals der hl. Konrad, ein Freund der Familie Gebhards, der an dem aufgeweckten Knaben eine besondere Freude hatte. An der Konstanzer Domschule genoss Gebhard eine vortreffliche Ausbildung. Neben den Wissenschaften entzündete die innigste Liebe zu den großen Geheimnissen der christlichen Erlösung sein empfängliches Herz. Gebhard verbrachte Nächte im Gebet, gab sich strengsten Bußübungen hin und bereitete sich bis zur Selbstentäußerung auf das verantwortungsvolle Amt, das für ihn bestimmt war, vor.
Als Bischof Gaminolf, der nach dem Tod des hl. Konrad 975 auf den bischöflichen Stuhl von Konstanz erhoben worden war, schon nach kurzer Regierungszeit starb, fiel die Wahl auf Gebhard, der damals noch nicht 30 Jahre alt war. Der Zeitpunkt seiner Konsekration ist nicht genau zu ermitteln; nach den Annalen von St. Gallen war er jedenfalls schon im Jahre 979 Bischof. Das hohe Amt legte schwere Bürden auf Gebhards Schultern. Unermüdlich unterstützte er mit einem Teil seines ansehnlichen Vermögens die Armen. Mit einem anderen Teil förderte er Kirchen und manches Kloster. Seine Lieblingsgründung aber war das Kloster Petershausen in Konstanz, mit dessen Bau er im Jahre 983 begann. Er ließ es mit Benediktinermönchen aus der Meinradszelle besetzen und war in der Folgezeit stets bemüht, diese Stiftung auszubauen. Im Jahre 989 erlangte er beim heiligen Stuhl in Rom reiche Gnaden und Privilegien für Petershausen und ließ auch Heiligenreliquien kommen. Von anfälliger Gesundheit, war Gebhard der starken Belastung, die sein Amt mit sich brachte, auf die Dauer nicht gewachsen. Er nahm auf seine Kräfte keinerlei Rücksicht und schwächte sich durch strenges Fasten und unermüdliche Arbeit ständig. Er starb im Jahre 996 und wurde, wie er es gewünscht hatte, im Kloster Petershausen beigesetzt.
 
St. Gebhard und das Kloster Petershausen (Text: Günter Mäule)
Der Patron der Kirche, der heilige Gebhard, war von 979 bis 995 als Gebhard II. Bischof von Konstanz. Er wurde als viertes Kind des Grafen Uotzo aus dem Geschlecht der Udalrichinger im Jahre 949 auf der Stammburg bei Bregenz geboren. Seine Mutter Dietburg starb noch vor seiner Geburt, so dass das Kind aus dem toten Mutterleib geholt werden musste. Das Überleben des Kindes wurde als göttlicher Hinweis dafür betrachtet, ihn die geistliche Laufbahn einschlagen zu lassen. Als er das Alter für eine geistliche Ausbildung erreicht hatte, wurde er an die Domschule zu Konstanz in die Obhut des damaligen Bischofs Konrad (heilig gesprochen 1123, Patron des Bistums Konstanz) gegeben. Gebhard war als guter und lernwilliger Schüler bald sehr beliebt und wurde seiner Bestimmung entsprechend Priester.
Als der weithin verehrte Konrad starb, wurde Gaminolf sein Nachfolger auf dem Konstanzer Bischofsthron. Nach dessen Tod wurde im Jahre 979 Gebhard vom Konstanzer Domkapitel gewählt und von Kaiser Otto II. bestätigt. Das Bistum Konstanz war in seiner Ausdehnung das größte deutschsprachige Bistum. Es erstreckte sich vom Raum Stuttgart bis zum St.-Gotthard-Pass und von der Rheinebene bei Straßburg bis fast nach Augsburg.
Eines der wichtigsten Anliegen Bischof Gebhards war die Gründung eines neuen Klosters. Damit sollte der Plan Konrads vollendet werden, durch die Gründung neuer Kirchen und Klöster aus der Bischofsstadt Konstanz ein symbolisches Abbild der heiligen Stadt Rom zu machen. Dazu fehlte nur noch das „Abbild" von San Pietro in Vaticano, des Petersdomes, der in Rom jenseits des Tibers gelegen ist.
Gebhards Vater war ein begüterter Graf. Als er starb, wollten die Brüder Gebhards das ganze Erbe an sich reißen, da sie der Meinung waren, dieser bräuchte als Geistlicher keinen weltlichen Besitz. Unter Androhung von Gewalt forderte Gebhard jedoch sein Erbe bei seinen Brüdern ein, um damit seine Klostergründung voranzutreiben. Das vorgesehene Baugelände, jenseits des Rheins am nördlichen Rheinufer gelegen, gehörte der Reichsabtei Reichenau. Durch Tausch erwarb Gebhard dieses Gelände.
Im Jahre 983 konnte das Kloster feierlich eingeweiht werden und die ersten zwölf Mönche zogen in die Konventsgebäude ein. Aus seinem Erbe schenkte Gebhard viel Land an das neue Kloster, welchem er den Namen „Domus Petri" (Haus des Petrus, Petershausen) gab. Auch der Papst gab seinen Segen zu dieser Neugründung. Die Klosterkirche wurde dem heiligen Papst Gregor dem Großen, einem der vier frühchristlichen Kirchenväter, geweiht. Während einer Romreise Gebhards beschenkte ihn der Papst mit kostbaren Reliquien dieses Heiligen, darunter dessen Haupt. Auch war die neue Klosterkirche ungewöhnlicherweise nach Westen ausgerichtet, wie als einzige der großen römischen Kirchen der Petersdom. Solche Symbole verstanden die mittelalterlichen Menschen: Petershausen war für sie ohne Einschränkung ein „Abbild" des Petersdomes in Rom.
Der heilige Gebhard starb bereits im Alter von 46 Jahren im Jahre 995 und wurde seinem Wunsch gemäß in der Klosterkirche Petershausen begraben. Im Jahre 1134 wurde er heilig gesprochen, und seine Gebeine in das Konstanzer Münster überführt. Gebhards Klostergründung, die Reichsabtei Petershausen, wurde zu einem der wichtigsten Klöster des südwestdeutschen Raumes. Vom Rang und Wohlstand der Abtei Petershausen zeugen hochfliegende Umbaupläne in der Barockzeit, die solchen Anlagen wie St. Gallen oder Salem in nichts nachstanden. Da sich die Säkularisierung bereits abzeichnete, konnten diese Pläne nur zum Teil (Konventsbauten) verwirklicht werden.
 
Weiterführende Literatur
- Theodor Humpert: Der heilige Gebhard – Bischof von Konstanz. Konstanz 1949
- St. Gebhard – Pfarrführer durch die Pfarrgemeinde St. Gebhard in Konstanz. Stuttgart 1962
- St. Gebhard und sein Kloster Petershausen – Festschrift zur 1000. Wiederkehr der Inthronisation des Bischofs Gebhard II. von Konstanz. Konstanz 1979
- 1000 Jahre Petershausen – Beiträge zu Kunst und Geschichte der Benediktinerabtei Petershausen in Konstanz. Karlsruhe 1983
- Literatur in der Euregio-Bodensee-Datenbank zum Hl. Gebhard II. von Konstanz